Bei Veenity dabei seit September 2018

Selbstbestimmt, sympathisch und eigensinnig – das ist Anina Mutter

Du denkst, du kennst die besten nachhaltigen Orte in der Schweiz zum Essen, Shoppen oder für eine kleine Auszeit vom Alltag? Wir glauben, dass du noch einige weitere entdecken kannst, die fachkundig für dich recherchiert wurden. Nämlich von – the one and only! – Anina Mutter. Sie ist Lifestyle-Bloggerin und inspiriert die Welt durch ihre Website ekkoist.com. Am Anfang des Jahres kam ihr erstes Buch heraus mit den besten Tipps fürs Rundumwohl in der Schweiz.

Bewusst, gesund, schmackhaft – dein neu erschienenes Buch “ekko – der eigensinnige Guide” ist ein Pocket-Guide voller Perlen der veganen Küche aus der Deutschschweiz. Wo isst man deiner Meinung nach am besten?
Das ist eine schwierige Frage und genau weil ich mich wohl nicht wirklich entscheiden kann, haben es diverse Perlen in meinen eigensinnigen Guide geschafft. Sprich, ekko ist ein Substrat meiner 64 allerliebsten Perlen zu den Themen “Essen, Einkaufen, Schlafen und Erholen”.

Zudem glaube ich auch, dass vor allem die Abwechslung Spass macht und während ich an einem Tag vielleicht Lust auf indonesisches Essen habe, freue ich mich am nächsten über ein grosses Buffet oder einen Burger.

Zugeben muss ich aber, dass ich überdurchschnittlich oft im roots aufzufinden bin, weil sie mich mit ihrer Küche einfach von A bis Z überzeugt haben und immer wieder überzeugen. Sie schaffen es, nicht nur gesunde und sinnvoll kombinierte Gerichte zu machen, sondern präsentieren diese auch ästhetisch ansprechend. Und, ich kann mich sehr gut mit der Firmenphilosophie identifizieren.

Als Eco-Warrior ernährst du dich zu 98 Prozent vegan. Wie lange schon und was hat dich dazu bewegt?
Ich denke mittlerweile könnte man sogar gut und gerne 100 Prozent sagen. Die 98 Prozent habe ich lange so benutzt, weil ich der Überzeugung bin, dass jedes Extrem ungesund ist. Sprich, ich habe eine ganz klare Linie für mich und die ist vegan.

Wenn jetzt aber ein Omi liebevoll einen Kuchen zubereitet hat und der hat nun mal ein wenig Butter drin zum Beispiel, dann weise ich dieses Stück Kuchen nicht zurück. Oder wenn, dann eher auch, weil ich mich gesund und vollwertig ernähren möchte und daher zum grösstenteil auf Zucker, Alkohol und Koffein verzichte.

Fleisch oder Fisch könnte und will ich aber nicht essen, auch nicht ausnahmsweise. Ganz grundsätzlich geht es mir also um eine gesunde, vollwertige Ernährung, hinter der ich auch moralisch und ethisch stehen kann.

Auf dem Bild sind die Arme von Anina Mutter zu sehen, die eine reich gefüllte, bunte Açai Bowl in ihren Händen hält.
Açai Bowls sind der beste Beweis dafür, dass Veganismus nichts mit Verzicht zu tun hat.


Es gibt so viele Gründe, die für einen veganen Lifestyle sprechen: gesundheitlich, ethisch, ökologisch – aus meiner Sicht als bewusste und informierte Erdenbürgerin gibt es gar keine andere Option als den Veganismus. Ich bin Vegetarierin seit ich 8 Jahre alt bin (mit 18 hatte ich da einen kurzen Unterbruch, bis ich realisiert hatte, dass meine ethischen Grundsätze viel zu tief verankert sind, als dass ich sie ignorieren könnte).

Danach habe ich mich zuerst mit einer On-und-Off Beziehung mit dem Veganismus auseinandergesetzt, bis ich schlussendlich graduell und ganz natürlich beim kompletten “Verzicht” auf tierische Produkte angelangt bin. Das sind wohl nun an die 4 Jahre, dass ich meine 98 Prozent Veganismus lebe.

Was macht leckeres veganes Essen für dich aus?
Essen ist Leidenschaft und zelebriert das Leben. Ich esse unglaublich gerne und entdecke deswegen auch extrem gerne immer wieder neue Sachen, die die Sinne kitzeln. Für mich ist a) vegan nicht direkt gleich lecker und b) vegan nicht direkt gleich gesund. Ich wünsche mir also pflanzenbasiertes Essen, das nicht nur alle Bedürfnisse meines Körpers befriedigt und ihn stärkt und leistungsbereit macht, sondern das auch gut schmeckt und Spass macht.

Ich liebe mein Essen so pur und unverändert wie nur möglich. Back to the roots. Natürlich macht es manchmal Spass eine Eskapade mit einem veganen Burger zu haben, aber das ist bei mir eher selten. Mich interessieren die unveränderten, echten Zutaten und Nahrungsmittel und nicht Abklatsche oder Kopien von unserer sowieso schon sehr ungesunden, über-raffinierten westlichen Küche.

Was bedeutet Genuss für dich bezogen auf Essen?
Das habe ich unter Frage Nummer 3 glaube ich schon angesprochen. Genuss bedeutet für mich, Lebensmittel / Gerichte zu essen, die eine Geschmacksexplosion hinterlassen und meine Sinne wecken. Das passiert aber nur, wenn sie auch im Nachhinein ein gutes Gefühl hinterlassen, also echt, pur, frisch und möglichst unverändert sind.

Mir macht es nicht wirklich Spass weissen Zucker in mich reinzustopfen, was vielleicht im Moment gut schmeckt, aber im Nachhinein ein ungutes Körpergefühl hinterlässt. Zudem finde ich es etwas Wunderschönes, Genuss zu teilen, gemeinsam ein gutes Essen zu entdecken oder zu kochen. Das bedeutet für mich jedes Mal eine kleine Expedition.

Hast du einen Tipp für Neueinsteiger der veganen Küche?
Ich sage jenen, die sich vegan ernähren möchten, dass es das Wichtigste ist, sich nicht am Anfang komplett zu überfordern. Es ist viel nachhaltiger, wenn man sich Schritt für Schritt an den Veganismus herantastet, als sich von heute auf morgen alle gewohnten Muster zu verbieten. Zu oft habe ich bei solcher Vorgehensweise viele gute Vorsätze scheitern gesehen. Wie wäre es einfach einmal damit, die Milch im Kaffee ab sofort auf pflanzliche Herkunft umzustellen? Eines nach dem Anderen, dann klappt es. Heute ist es so unendlich viel einfacher, sich vegan zu ernähren als früher. Das schafft jede und jeder.

Du bist eine Inspiration für viele mit deiner Website. Was ist die Essenz deines Blogs und welche Werte möchtest du vermitteln?
Also, ich habe mich ja soeben gerebrandet und laufe nun unter ekkoist.com (früher blossik.com). Auch da gibt es wieder einen Blog mit ganz viel Inspiration zum Thema Nachhaltigkeit. Und genau darum ging es mir schon auf blossik. Ich möchte auf spielende Art und Weise inspirieren und zeigen, dass Nachhaltigkeit weder uncool noch anstrengend sein muss.

Ich glaube, dass wir unsere Art und Weise zu konsumieren für unsere Gesundheit, aber auch für die des Planeten anpassen müssen. Ich möchte das aber auf undogmatische und Null besserwisserische Art machen - weil, es heisst nicht, dass meine Art die richtige Lösung ist. Es ist einfach ein Versuch, etwas ein wenig anders und hoffentlich besser zu machen. Wenn Leute mich auf diesem Weg begleiten möchten, dann freut mich das sehr.

War es eigentlich schon immer ein Traum von dir, ein eigenes Buch zu schreiben?
Oh ja. Ich habe schon als kleines Mädchen Lektüre regelrecht verschlungen. Ich weiss wirklich nicht, wie viele Hunderte an Büchern ich zu meiner Schulzeit gelesen hatte. Ich sass ganze Sommerferien am Küchentisch und habe mich in aufregenden Geschichten verloren.

Man sieht das Buch von Anina Mutter auf ihrem Schoss liegen. Sie sitzt und man sieht einen Teil vom Holzstuhl, Holzboden, von ihrer Hand und ihrem geblümten Kleid.
So sieht er aus, mein Pocket-Guide ekko.


Zudem finde ich es einfach schön, etwas Echtes, Haptisches in der Hand zu haben. Gerade im heutigen Zeitalter, wo sich alles digital abspielt, bedeutet es für mich eine wunderbare Abwechslung, ein kleines Buch in der Hand zu halten. Und es soll auch ermuntern, das Telefon mal wegzulegen und mit offenen Augen entdecken zu gehen.

Fiel es dir leicht, ekko zu schreiben? Klingt traumhaft, sich durch die vielen veganen Restaurants der Schweiz essen zu müssen!

Leicht kann man den Prozess des Buch-Schreibens wohl nicht nennen. Klar macht es Spass, so viele verschiedene Orte zu entdecken. Es ist dann aber auch immer in Verbindung mit Arbeit.

Zudem war es eine sehr zeit- und geldintensive Unternehmung. Da ich das ganze Projekt von A bis Z selber gestemmt habe, ohne die Unterstützung eines Verlages (ich hatte mich von einem Verlagspartner getrennt während der Schreibarbeiten) war es schon ein ziemliches Goliath-Projekt. Dafür ist das ganze Buch nun aber auch ganz genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Und, vor allem sehr nachhaltig: auf Blue Angel zertifiziertem Papier und mit einem Cover aus recyceltem Karton. Gedruckt habe ich es lokal, in einer kleinen Buchmanufaktur in Winterthur. Sprich, ich denke es war Beides: die Schreibarbeit an sich ist mir sehr leicht gefallen, weil ich extrem gerne schreibe und auch der ganze kreative Prozess war, wenn auch teilweise Nervenaufreibend, wunderschön zu durchlaufen.

Ich würde es auf jeden Fall jederzeit wieder tun beziehungsweise ist es gut möglich, dass ich es schon bald wieder mache.

Woher nimmst du deine Inspiration?
Das ist eine spannende Frage. Das frage ich mich manchmal selbst und ich glaube, dass es eine Mischrechnung ist aus Dingen, die ich sehe, aus Menschen, die mich inspirieren, aber auch aus Momenten der Ruhe und Leere, wo dann mein Inneres irgendwelche Ideen formuliert. Also, es ist wohl eine Mischung aus externer und interner Information, die in der Vermählung zur Inspiration wird.

Natürlich versuche ich auch, mich auf unterschiedlichste Art und Weise zu inspirieren. Das kann mit Gitarre spielen sein, oder Erde umgraben, oder ein gutes Buch lesen, oder Kochen, oder spannende Gespräche führen und Filme schauen. Ich versuche, mich konstant weiterzubilden, zu formen und zu entwickeln. Daraus wächst dann automatisch Inspiration und Kreativität.

Du hast ein eigenes Video-Format. Was war die bisher bewegendste Story für dich?
Ja, das stimmt. matterzTV ist eine Art Passion-Project, das ich zusammen mit dem begabten Multimedia-Menschen Sven B. Schnyder (ebenfalls Veganer) gegründet habe. Wir generieren in losen Abständen neue Inhalte.

Eine sehr bewegende Story war der Besuch der Schlachthaus-Nachtwache in Zürich. Ich wollte mich schon sehr lange damit auseinander setzen, habe aber wohl einen Moment gebraucht, bis ich genügend Mut hatte, mich diesem Elend zu stellen. Ich glaube aber, dass es schlussendlich sehr viel Wert hatte, dass wir da, morgens um fünf Uhr in Winterkälte, fast erfroren wären. Dieses Video von matterz tv hat sehr viele Menschen berührt – nicht zuletzt auch Sven und mich. 

Welche Zukunftspläne hast du für dich und ekkoist?
Vorerst steht nun sicher einmal die Promotion und Distribution von meinem ekko Guide an. Nach so einem grossen Projekt nehme ich es auch kurzzeitig ein bisschen ruhiger und sortiere meine Federn für die nächsten Ideen und Ziele.

Ganz grundsätzlich soll ekkoist vor allem auch online wachsen und Inspiration und Freude fürs Thema Nachhaltigkeit schaffen. Gut möglich, dass es auch bald weitere ekko Guides für andere Städte und Regionen geben wird. Was auf jeden Fall klar ist: alles wird weiterhin in gewohnt Anina-Kratzbürsten-eigensinnigem Style umgesetzt für den Planeten und eine Zukunft mit Zukunft.

Das Buch kann online bestellt werden! Damit werden nicht nur diverse spannende Orte unterstützt, die versuchen etwas anders und vielleicht ein wenig besser zu machen, sondern auch der Traum einer hoffnungslosen Romantikerin, dass es ein Ding der Möglichkeit ist, ein Buch selber zu produzieren und zu vertreiben. Den Link zum Shop findest du hier.

Anina Mutter steht am See auf einem Steg und schaut der untergehenden Sonne zu.
Geschafft.

 

Vielen Dank Anina für deine inspirierenden Antworten!


Folge Anina Mutter auf Instagram, schau bei ihrem neuen Blog ekkoist rein oder unterstütze sie mit dem Kauf von ekko.


Interview: Linda Schenker
Fotos: Sven B. Schnyder / Titelbild: Dominik Meier

9

Kommentare ( 1)

Leider funktioniert im Shop die Bezahlung nicht, hätte sehr gerne ein Buch bestellt 😉